Schaulager – ein anderer Ort für Kunst

Das von der Laurenz-Stiftung betriebene Schaulager vereint das Lagern, Erforschen und Präsentieren von moderner und zeitgenössischer Kunst. Die Institution beruht auf der innovativen Idee, Kunstwerke so aufzubewahren, dass sie auch in Zeiten, in denen sie nicht öffentlich ausgestellt sind, für Forschungszwecke zugänglich bleiben.


Üblicherweise werden im Kunstbetrieb nicht ausgestellte Werke in Kisten verpackt und im Kunstdepot gelagert. Die Verbindung von «schauen» und «lagern», zwei Tätigkeiten, die sich in klassischen Lagersituationen für gewöhnlich ausschliessen, führte zum Begriff «Schaulager». Besonders für grosse und raumfüllende Installationen bedeutet dieses Lagerkonzept, dass das Werk zugänglich und erlebbar bleibt.

Das Konzept des Schaulagers wurde von Maja Oeri für die Kunstsammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung entwickelt. Im Mittelpunkt stand dabei der Gedanke, dass für das Studium der Kunst das Original unabdingbar ist. Dank der sichtbaren und begehbaren Lagerung können die Kunstwerke jederzeit betrachtet, konserviert und erforscht werden.

Die Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung sind im Kunstmuseum Basel regelmässig zu sehen. Wenn die Sammlungswerke nicht öffentlich ausgestellt sind, werden sie im Schaulager aufbewahrt, wo sie für ein Fachpublikum (Lehre, Forschung und Schulen, Museumsleute, Künstlerinnen und Künstler) weiterhin zugänglich sind. Mit seinen Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen steht das Schaulager auch einem breiten Publikum offen.

Blick in einen Lagerraum, Foto: Tom Bisig, Basel
Blick in einen Lagerraum, Foto: Tom Bisig, Basel

Kunst lagern

Die Lagerräume des Schaulagers ermöglichen eine konstante klimatische Umgebung und kontrollierte Lichtverhältnisse. Durch die besondere Situation des sichtbaren Lagerns können Restauratoren den Zustand der Kunstwerke permanent beobachten und überprüfen. Diese kontinuierliche präventive Überwachung erlaubt es, materialbedingte Veränderungen frühzeitig festzustellen und, wenn nötig, darauf zu reagieren.

Während die Alterungsprozesse traditioneller Werkstoffe wie bei Malerei auf Leinwand oder Skulpturen aus Stein schon gut erforscht sind, sind mit neuen Materialien und Medien viele offene Fragen verbunden. Die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung umfasst z.B. auch Werke aus Schokolade, Vaseline, Wachs, Gips oder Kunststoff – Materialien, die spannende Felder eröffnen, da ihr Alterungsverhalten noch wenig bekannt ist. In der Restaurierung wird in direktem Austausch mit den Kunstschaffenden nach neuen, dauerhaften Schutzmassnahmen für alle Bestandteile des Werks gesucht.

Die sichere und sorgsame Aufbewahrung der Kunstwerke im Schaulager soll dazu beitragen, dass diese auch für zukünftige Generationen noch sichtbar und erlebbar sind.

Kunst erforschen

Die Auseinandersetzung mit dem Original und die Vermittlung von Gegenwartskunst stehen im Schaulager im Zentrum. Die offene und sichtbare Lagerung der Werke ermöglicht deren Zugänglichkeit für Forschungszwecke.

Die im Schaulager aufbewahrte Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung und die Ausstellungstätigkeit sind Ausgangspunkte für Dokumentation, Publikationen, Recherchen sowie Veranstaltungen. Für externe Besucher bietet das Schaulager Möglichkeiten für die Arbeit vor dem Original sowie die Archiv- und Bibliotheksnutzung. Mit Seminaren und Symposien von Fachhochschulen und Universitäten sowie den beiden von der Laurenz-Stiftung begründeten Professuren am Kunsthistorischen Seminar in Basel trägt die Institution aktiv zur Forschung bei. Im Austausch mit dem nationalen Forschungsschwerpunkt «eikones – Bildkritik» unterstützt das Schaulager auch dessen Diskurs um Funktionen, Macht und Wirkung von Bildern.

Kunst präsentieren

Das Schaulager ist ein Ort des Dialogs und des Austauschs. Regelmässig präsentiert es Ausstellungen für eine breite Öffentlichkeit und gibt damit verbundene Publikationen heraus. Ein behutsamer Umgang mit dem Werk steht in den oft monografischen Ausstellungen im Zentrum. Sie werden sorgfältig und fundiert vom wissenschaftlichen und kuratorischen Team des Schaulagers entwickelt.

In den Ausstellungsräumen werden grosse Werkzusammenhänge vorgestellt. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler können dank dem aussergewöhnlichen Rahmen monumentale, ortsspezifische und aufwendige installative Werke in Ruhe vorbereiten und einrichten. In dieser engen Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden entstehen einmalige Projekte, die auch international wahrgenommen werden.

Das vielgestaltige Angebot der Kunstvermittlung zu den Ausstellungen bietet eine aktive und vertiefte Auseinandersetzung mit der Kunst.